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Über Bord geworfen

Routinen – wir alle kennen sie, wir alle leben mit ihnen. Um sechs Uhr (für manche Glückliche etwas später, für viele jedoch auch früher) läutet der Wecker, aufstehen, Kinder wecken, Frühstück richten, Pausenbrote schmieren, wichtige Termine abfragen, Mach’s-gut-Kuss, bis Mittag! Dann für die einen der Weg zur Arbeit, für die anderen die vermeintliche Ruhe im Haus – mit vielen Aufgaben. Kommt Euch diese Routine bekannt vor? Zurzeit schläft sie den Dornröschenschlaf, unsere Routine, wie lange, wissen wir noch nicht. Bei vielen (außer bei all unseren Helden des Alltags) muss kein Wecker läuten, muss keinem Kind die Bettdecke sanft entwendet werden, kann das Frühstück auch länger und ausgiebiger ausfallen, eventuell sogar kreativer. Statt Weckerläuten singt vielleicht die Mutter „Guten Morgen, Sonnenschein!“ um acht Uhr oder später, der ausgeschlafene Teenager lacht und wirft ihr den Polster hinterher. Der Frühaufsteher des Hauses hingegen hat schon um 6.30 Uhr seine Schulaufgaben begonnen, um dann, nach der „Großen Pause“, bereits dem Vater im Garten zu helfen. Routinen? Über Bord geworfen! Mit einem Lachen? Freiwillig? Na ja, so kann man das jetzt nicht sagen. Doch ohne die äußerst prekäre gegenwärtige Situation schönreden zu wollen: Wir können dieses völlig überraschend gekommene Abweichen von gewohnten Abläufen mit einem Lächeln nehmen – weil es auch Gutes bringt! Wann haben wir zuletzt sieben Mal die Woche alle miteinander zu Mittag gegessen? Wann sind wir täglich miteinander (mit allen drei Kindern!!! inklusive Teenager!!!) spazieren gegangen?

 

Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht. Es gibt nie das eine ohne das andere, nie Yin ohne Yang. Wir können uns nun entscheiden, was wir mehr sehen wollen. Was unsere Gedanken erfüllt. Und unsere Herzen. Mein Herz ist zurzeit erfüllt mit Familienfreuden, mit Alltag zu fünft (plus Kater), mit dem fröhlichen Glänzen in den Augen meiner Kinder, weil der Duft von frisch gebackenem Brot zu ungewöhnlichen Zeiten durch das Haus schwebt, während draußen die Vögel den Frühling besingen, unbeirrt und lebensfroh. Mein Herz lacht! Darf es das in Tagen wie diesen? Es soll – ganz laut, hell und ansteckend!

Eva Adelbrecht

Team von Buchhandlung und Verlag Pfeifenberger

Lektorin & Autorin

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