Die ewige Optimistin

 

Ein Jahr. Ein Jahr, das wohl an niemandem spurlos vorübergegangen ist. Vor fast genau einem Jahr haben uns die Weltnachrichten so durchgebeutelt und -gerüttelt, war ich durch alles rundherum so betroffen, dass ich einem lieben Menschen ein paar Zeilen schrieb. Aus tiefstem Herzen. Und dieser liebe Mensch meinte, ich sollte diese Gedanken doch nicht nur mit ihm teilen: Das war die Geburtsstunde von ‚Seelennahrung’. Happy birthday, Seelennahrungs-Blog!

 

Es war ein durchwachsenes Jahr. Ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Ein Jahr, das ich im Herzen nachspüre als Wechselbad der Gefühle. Mal recht betrübt über fast irreal anmutende Neuigkeiten, mal recht fröhlich, weil manches wieder normaler wurde. Dann doch wieder traurig, weil das neue Normal sich doch so überhaupt nicht normal anfühlte. Dann wieder erfreut, dass der Sommer uns ein bisschen vergessen ließ ... Doch schneller als erwartet holte uns die Realität wieder ein, der Herbst war eben auch nur so ein naja-Herbst. Und so geht es uns weiterhin: ein Auf und Ab, eine Achterbahn zwischen Erlaubnissen und Verboten, ein Durcheinander an Lichtblicken und Enttäuschungen.

 

Vor einem Jahr waren uns Dinge noch fremd, die heute gelebter Alltag sind. Wir waren total schockiert, vor den Kopf gestoßen, konnten es gar nicht richtig fassen, was uns da auf einmal alles berichtet wurde, was wir aus dem fernen Ausland erfuhren und wie schnell es dann vor der eigenen Haustüre stand. Wir waren völlig überrumpelt. Gut wahrscheinlich, dass wir keine Ahnung hatten, welche Ausmaße das Ganze annehmen wird; wie stark sich alles verändern und wie lange das neue Normal dann tatsächlich normal bleiben wird.

 

In meiner Familie hat sich auch vieles verändert. Gewohnte Besuchs- und Wiedersehensrhythmen gibt es nicht mehr. Treffen sind immer wieder eine Fragezeichensache und außerdem, so sie zustande kommen, auch geprägt von einem Thema, gedämpft von unüblicher Zurückhaltung, einfach irgendwie anders. Man kommt da nicht aus, es ist zu präsent. Vieles hat sich allerdings auch sehr positiv entwickelt: Meine Tochter hat die Kulinarik für sich entdeckt – aber wie! Mit einzigartiger Begeisterung kombiniert mit Geschick und Kreativität zaubert sie uns Köstlichkeiten und gestaltet die sicherlich etwas verstaubte Menüauswahl unserer Familie um vieles bunter und vielfältiger. Meine Söhne haben durch Entzugszeiten einerseits verstehen gelernt, wie besonders es ist, Freunde sehen zu können, und andererseits, dass ein Bruder auch zu etwas anderem gut sein kann als zum Keppeln. Unser Haus ist zu einem lieb gewonnenen Nest geworden. Ganz bewusst erleben wir Tag für Tag das Glück, an so einem wunderschönen Platz leben zu dürfen, wertschätzen das Privileg von genügend Raum und Luft rundherum. Mit Behagen und Gemütlichkeit haben wir uns in diesem neuen Zuhause eingefunden und sind unendlich dankbar, dass es rechtzeitig fertig werden konnte. Mein Mann und ich freuen uns bewusster denn je, dass wir arbeiten dürfen. Dass die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen weiterhin besteht und dass die Abhängigkeit von Aufs und Zus nicht so sehr gegeben ist wie bei vielen anderen.

Ich glaube wirklich, dass die Worte Glück und Dankbarkeit in diesen letzten Monaten für mich persönlich jene beiden sind, die am meisten Inhalt bekommen haben. Das ist, was ich ganz stark spüre, wenn ich an diesem verschneiten Spätwintersonntagmorgen aus dem Fenster blicke, um mit kindlicher Begeisterung dem Zauber von wirbelnden Schneeflocken staunend und lachend zuzusehen.

 

 

Und ich wäre nicht ich, wenn in all diesen Wochen nicht der Optimismus Oberhand behalten hätte. In meinem Denken, in meinem Tun, in meinem Miteinander mit den anderen. Wenn ich nicht stets versuchen würde, aus dem Ist das Beste zu machen:

 

Die Schüler haben es schwer mit dem Erlernen von Fremdsprachen? Der eine, weil er gerade erst mit Englisch begonnen hat und durch reduzierten Unterricht kaum hineinfinden kann, die andere, weil sich mündliches Französisch einfach nicht vom Papier erlernen lässt und dennoch gekonnt werden soll? Her mit euch! – Dann lernen wir eben miteinander.

 

Unterricht zu Hause am Schreibtisch ist auf Dauer sogar für einen Teenager irgendwann nur mehr einsam und wenig spannend? Sportstunde alleine öd? Filme zu schauen solo auch nicht gerade prickelnd? Na dann eben gemeinsam! Ich bin auch gerne ein wenig Teenie-Partnerin, neben Lehrerin und Mama. Eigentlich war ich ja immer der Meinung, dass eine Mama mehr Mama als Freundin sein sollte, dem übertrieben kumpelhaften Umgang mit Kindern konnte ich nie viel abgewinnen. Aber wenn die Freundinnen ganz einfach so selten greifbar sind? (Erziehungs-)Prinzipien sind schon nicht schlecht, doch das Leben schreibt einfach seine Geschichte, und dies prinzipiell etwas anders, als man sich das so ausgedacht hat. Also neben aller Resilienz immer schön anpassungsfähig bleiben. Und ganz ehrlich: So ein bisschen Teenager-Routinen zu leben tut mir zu Beginn des fünften Lebensjahrzehnts nun auch gar nicht so schlecht ...

 

Die Kultur will wieder atmen? Sich lebendig zeigen? Direkt und unmittelbar? Aber natürlich! Wir helfen ihr dabei! Liebe Leute, der Lungau kann sich recht bald schon auf etwas ganz Besonderes freuen: Wir holen Autorinnen und Autoren zu Lesungen zu uns. Wir wollen Literatur nicht mehr ausschließlich auf dem Papier erleben, so wie andere Kulturschaffende Theater und Musik nicht mehr nur mittels Livestreams und Tonaufnahmen präsentieren wollen. ‚Literatur im Schloss’ heißt das neue Format, und dessen Programm kann sich sehen lassen! Katharina J. Ferner, Franzobel, Karl-Markus Gauß, Reinhold Bilgeri – sie kommen alle zu uns, um mit uns wunderbare Lesungsabende zu verbringen. Was ich dabei mache? Ich helfe mit, dass das alles gut stattfinden kann, und: ich bin natürlich bei jeder Lesung dabei! Denn darauf freue ich mich wie eine Schneekönigin (lustig, diese Zeile hatte ich gestern bereits geschrieben und dachte mir, ich sollte eher auf ‚Schneeglöckchen in der Frühlingssonne’ umtexten, doch heute könnte es nicht besser passen …). Ja, und lässt uns Dauerregisseur C. nicht im April auf die Bühne, dann eben im Mai. Wir lassen uns nicht unterkriegen! Vielleicht ein bisschen vertrösten, ja. Wir wollen wieder Begegnung, wir wollen uns sehen und hören, wir wollen miteinander Literatur erleben. Wie der liebe Mensch, der mein Blog-Erstleser war, so schön zu sagen pflegt: "Literatur spielt das Leben." Und das wollen wir alle wieder spüren! Wir sehen uns im Kuenburg ...

 

 

Eva Adelbrecht

Team von Buchhandlung und Verlag Pfeifenberger

Lektorin & Autorin

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Kommentare: 1
  • #1

    Ilse (Sonntag, 14 März 2021 20:33)

    ..so exzellent in Worte gefasst und dabei immer das Positive sehen! So kann Vieles gelingen! ...

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