Erhebend

 

Das Pfingstwochenende, an dem die christliche Kirche das Erfüllen der Menschen mit dem Heiligen Geist feiert, diese bibelgeschichtliche Szene, in dem die Jünger plötzlich in den verschiedensten Sprachen zu sprechen beginnen und alle Umstehenden sie dennoch verstehen, hat für mich starke Symbolkraft – in diesem Frühjahr mehr denn je. Auch wenn wir Menschen „verschiedene Sprachen sprechen“, die Dinge unterschiedlich sehen und verstehen, eint uns ganz gewiss das menschliche Bedürfnis nach Gemeinsamkeit. Wir brauchen das gemeinsame Traurigsein, Betrübtsein in schwierigen Tagen, das Zusammenhelfen, gegenseitige Aufrichten und vor allem In-die-Zukunft-Blicken aus düsteren Zeiten heraus, und natürlich das gemeinsame Freuen, wenn Trübnis und Schwere überwunden sind.

 

Erhebend: Kein Wort beschreibt besser das Gefühl in mir, als ich am Freitag mit dem Auto auf den Tamsweger Hauptplatz bog. Da standen Tische und Sessel am breiten Gehsteig, da kamen Kellner aus den geöffneten Gaststättentüren gebogen, auf ihren Serviertabletts Kaffeetassen und Mehlspeisteller (für Eisbecher war es zu kühl), und Gäste freuten sich über diesen Verwöhnmoment. Kein außergewöhnliches Bild, möchte man auf die Schnelle meinen. Aber doch! Und wie! Ich stellte mein Auto ab. Diese Stimmung wollte ich zu Fuß erleben, das Plaudern der Kaffeetrinker hören, das Klappern des Geschirrs, das sanfte Klirren der Gläser beim Abservieren, die Bestellung der Neuankömmlinge. „Eine Melange bitte!“ „Und mir einen Kleinen Braunen.“ Wenn ich es nicht eilig gehabt hätte, ich glaube, ich hätte leicht und genussvoll eine ganze Kaffeehausbeobachtungsstunde verbringen können. Nur als Zuseherin und Zuhörerin. Mich einfach auf eine Bank setzen und dem Treiben folgen. Mich von ihm berieseln lassen.

 

Doch ich hatte ja noch etwas vor. Da kam das nächste Kribbeln in meinem Bauch. Plakate holen! Ja, nun ist es so weit: Wir dürfen am kommenden Donnerstag unsere erste Lesung stattfinden lassen. Ich hatte es vor zwei Monaten ja angekündigt: ... und lässt uns der Dauerregisseur C. nicht im April auf die Bühne, dann eben im Mai. Wir lassen uns nicht unterkriegen! Genau so ist es nun gekommen. Mit Zuversicht und dem nötigen Paket Geduld und Flexibilität lassen sich Verschiebungen schon meistern. Dafür ist nun die Freude über das Bevorstehende umso größer. Als ich in meiner Lieblingsbuchhandlung bei meiner absoluten Lieblingsbuchhändlerin das Plakat mit dem milde lächelnden Gesicht von Katharina J. Ferner ausrollte, hätte ich am liebsten einen Purzelbaum geschlagen. Es ist wirklich so weit! Wir dürfen. Wir dürfen dafür Werbung machen. Dafür Karten verkaufen. Darüber erzählen. Darüber schreiben. Wisst ihr, vielleicht ist es für manche ja ‚nur’ ein Lesungsabend. Aber für mich ist es das Öffnen eines großen schmiedeeisernen Tors in einen ganz hellen Garten. Wir haben wirklich viel mitgemacht und viel geschafft im letzten halben Jahr, und ich höre immer wieder, dass es manchen gar nicht mehr so außergewöhnlich oder besonders erscheint, weil wir uns in dieses veränderte Normale einfach schon hineingewöhnt haben. Doch dass es jetzt nun wieder offener, leichter, lustiger, lebendiger wird, lässt mich spüren, dass mir selbst sehr viel abgegangen ist und dass ich es einfach erhebend finde, dass rundherum alles sichtbar, hörbar, spürbar freier wird. Allein als ich einen Blick auf das Programm des kommenden Musiksommers in St. Leonhard warf, fühlte ich mich leicht und pfiff unbeschwert die Kleine Nachtmusik vor mich hin. Erhebend.

 

Und dann kam auch diese Woche noch das bunt schillernde Programm der Lungauer Kulturvereinigung ins Postfach geflattert: Theater, Konzerte, Bilderbuchkino, Kabarett, Lesungen, Ausstellungen, Feste mit hiesigen und von weit her angereisten Musikerinnen, Schauspielern, Bühnenkünstlerinnen, Malern und Autoren werden uns den Sommer auf mannigfaltige Art bereichern. Werden uns erheitern, nachdenklich machen, unterhalten, zum Hören und Schauen bringen, miteinander das Leben spüren lassen. Frischluft: welch wunderbar passender und stimmiger Name für dieses pfiffige Sommerprogramm, das uns aus den kulturell kühlen und trüben Zeiten hin in den frischen, farbenprächtigen und klangvollen Sommer führt.

 

Auf in ein immer noch vorsichtiges, aber doch aufblühendes und fröhlich-zuversichtliches Miteinander!

 

 

Eva Adelbrecht

Team von Buchhandlung und Verlag Pfeifenberger

Lektorin & Autorin

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