Katzenyoga

 

Ruhezustand. Bei meinem Computer kann ich das einfach anklicken. Wenn er eine Pause benötigt, wenn der Prozessorkühler laut läuft, wenn er einmal gerade nicht für mich zu arbeiten braucht. Er versinkt im selben Moment in einen bildschirmdunklen Dämmerschlaf, aus dem er zwar leicht zu erwecken ist, in dem er sich aber auch wunderbar erholt.

 

Diesen Knopf muss ich an mir noch finden! „Wir haben Urlaub ...“ Ja, das klingt so wunderbar frei! Aber nimm dir mal so richtig frei als frei-berufliche Was-auch-immer (Übersetzerin, Lektorin, Sekretärin, Texterin – you name it!). Das Büro missachten, die Zettel und Erinnerungen am Schreibtisch geflissentlich ignorieren, Anrufe und Anfragen aus den diversen Richtungen abwimmeln oder vertrösten, Dringendes an kompetenten Ersatz weiterleiten. „Ich bin dann mal weg ...“ Vielleicht wäre wegzufahren ja wirklich einmal eine gute Option. Nur: Es ist so schön bei uns! Wenn man noch so richtig verliebt ist ins neue Heim und in den immer wieder mit neuen Überraschungen aufwartenden Garten, sind fremde vier Wände und weit entfernte Gegenden gar nicht so verlockend. Nur wenn dann das Büro so verhängnisvoll nahe am Urlaubsplatz liegt?

 

Disziplin, äußerste Nicht-Arbeits-Disziplin ist gefragt. Nur wie? Die erstbeste, nein, jede Einladung annehmen. Keine faulen Ausreden vorbringen bei Vorschlägen zu Freizeittreffen. Kaffeehäuser besuchen. Zu den sonst unmöglichsten Tageszeiten laufen gehen. Kaum auf die Uhr schauen. Tagesrhythmen ausblenden. Zur Eisdiele wandern, auch wenn der Schnee von den Bergen lacht. Völlig unberufliche Lektüre zur Hand nehmen. Viel Fußball spielen. Die Schüler ohne schlechtes Gewissen früh aufwecken und in die Schule schicken, um dann noch einmal unter die Decke zu kriechen und erst zur Großen-Pause-Zeit im 5-Sterne-Stil zu frühstücken ... Ideen hätte ich genug!

 

Es wird schon irgendwie funktionieren, vielleicht nehme ich mir auch ein bisschen meinen Kater zum Vorbild. Der kann dieses sinnbefreite Nichtstun wunderbar leben. Auch Yoga-technisch kann ich mir von ihm so einiges abschauen: Katzenbuckel zur Dehnung der Rückenmuskulatur in Flexion. Vorderpfoten weit nach vorne mit hochgestrecktem Hinterteil zur Wirbelsäulendehnung in Extension. Großes zweibeiniges Aufrichten mit durchgehender Langstreckung des Rückens, um zu sehen, ob es in der Küche was zu mopsen gibt. Weites unverhaltenes Gähnen (ohne vorgeschobene Vorderpfote) zur Entspannung der Gesichtsmuskulatur. Schlussendlich immer wieder Savasana, die Totenstellung. Manchmal eher unkonventionell seitlich oder am Bauch, doch auch am Rücken mit allen Vieren von sich gestreckt: Unser Kater praktiziert diese wichtigste Entspannungsübung stundenlang am Tag.

 

Oder die Pferde auf der Nachbarweide! Bezüglich Urlaubsmodus könnte ich mich auch von ihnen inspirieren lassen: dösen, im Stehen schlafen, gemütlich dahingrasen, den Tag Tag sein lassen, und wenn sie was brauchen, einfach einmal laut wiehern! Der Stallbursch kommt flink wie ein Wiesel. Mit frischem Wasser, Kraftfutter und ein paar Leckerlis. Gegenleistung: einmal am Tag eine Runde spazieren gehen. Ich muss den (meinen) Stallburschen deswegen ja vielleicht nicht gleich am Rücken tragen, ein gemeinsames Nebeneinander ist sicherlich auch in Ordnung.

 

Und der Mondkalender schreibt noch glatt: „... abnehmender Mond im Wassermann, günstig zum Entschlacken ...“ (Den Zusatz zum Fensterputzen überlese ich in diesem Fall gekonnt.) Na dann: Bürotür zusperren, Katzenyoga vor dem Frühstück und Brennnesseltee statt Morgenkaffee. Herrliche Aussichten auf einen wirklich erholsamen Urlaub!

 

 

Eva Adelbrecht

Team von Buchhandlung und Verlag Pfeifenberger

Lektorin & Autorin

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