Ab und zu eine Banane

 

Ich warte immer noch auf mein Gewitter ... Es kommt nicht!

 

Anlässe zum Aus-dem-Stübchen-kommen gäbe es ja wohl genug: Geburtstage, Besuche, ... aber ich brauche ein Gewitter! Die Spannung in der Luft ist mittlerweile unerträglich. Und wie der Donner nicht ins Grollen kommt, komme ich nicht in die Tasten. Ich komme überhaupt nicht in die Gänge, die Schwere in der Luft drückt aufs Gemüt, die zeitige Abreise der Freunde Samstag knapp nach Sonnenaufgang (die Sonne versteckte sich hinter den Wolken) wohl auch, und hätte ich nicht Sade mit ihren Smooth-Jazz- und R&B-Songs, die mir Balsam auf der Seele sind (absoluter Favorit: ‚The Sweetest Gift’, gleich nach ‚King of Sorrow’), ich würde wohl einfach die Bettdecke über den Kopf ziehen und mich fürs ganze Wochenende abmelden.

 

Das Gewitter: Es hat mich doch tatsächlich im Stich gelassen. In den entfernten Tälerwinkeln donnerte und grummelte es den ganzen Samstagabend lang, doch vor meinem Bürofenster gingen schlussendlich nur Regenfontänen nieder. Dann muss ich mich also noch gedulden. Mit Ruhe und Gelassenheit warten auf mein erstes Frühsommergewitter, mein summer opening aus der Natur, und die mittelmäßig schlechte Laune einstweilen vom abendlichen Plätscherregen wegwaschen lassen.

 

Macht nichts. Bei Regenwetter werde ich auf alle Fälle sehr leseanfällig. Zur Zeit habe ich ein Buch zur Hand, von dem ich kapitelweiße so richtig durchschnaufen muss. Welches, verrate ich euch noch nicht, dafür ist mein Urteil noch zu unreif. Auf alle Fälle brauche ich immer wieder einmal Pause davon, liefert es doch in Summe ziemlich viel starken Tobak und trotz aller humoristischen Formulierungsgabe eher wenig zum Lachen.

 

Deshalb war genau diese Lektüre in der vergangenen Woche sehr gut geeignet, mich in meinen Urlaubstagen als Pausenfüller zu begleiten, da ich äußerst viel Positives einstreuen konnte. Liebe Freunde waren zu Besuch und mit ihnen verdoppelte sich gleich die Motivation, in die Lungauer Berge auszurücken. Was ich sonst nicht immer so als Ausrede finde, dass an diesem oder jenem Tag genau nicht der richtige Zeitpunkt für eine kleine Tour sei ... Wenn dann jemand nur eine Woche hier ist, um unsere uns so selbstverständliche Umgebung in kurzer Zeit so intensiv wie möglich zu genießen, verstummen alle fadenscheinigen Argumente und die Eva packt den Rucksack. Gut so, der innere Schweinehund grummelt zur Zeit ohnedies recht laut, um sich nach erfolgreicher Verhinderung jeglicher Aktivität im Draußen gemütlich zu rekeln, zu gähnen und zufrieden auf Sessel oder Couch niederzulassen und hinzuzufügen: Siehst du, ist doch viel besser so. Und ich denke mir: Was hat meine Tochter vor ein paar Wochen geschrieben, woraufhin ich mich bei der Nase nahm und mir vornahm, das versuchst du nun mal bewusst im Alltag umzusetzen? „Das Leben schafft man nicht, das Leben lebt man.“ Also: Schnauze halten, innerer Schweinehund, der du dem ‚Was-nicht-alles-zu-erledigen-ist’ so hörig bist! Raus mit dir, gehörst auch mal an die frische Luft!

 

Also – in den letzten Tagen gab es viel Zeit im Draußen, und vor allem auch viel Zeit mit Freunden und obendrein viel Zeit mit Jugendlichen. Da kommen schon interessante Denkanstöße daher, die einen aus seinem Alltagstrott wachrütteln und ganz markant auf die Zehen steigen. Einmal diskutierten wir über Bananen und Avocados, da die ganze Urlaubswoche natürlich auch sehr der Kulinarik gewidmet war und wir für die Tatsache, dass wir nun dürften und könnten, dann doch nur wenig Gasthausessen genossen. Es lag wohl auch daran, dass gemeinsam mit den Freunden fünf begeisterte Köche unter einem Dach subsumiert waren, die alle nicht nur gerne essen, sondern auch gerne gut kochen, und sich so Motivation mit Zeit vereinte, um genussvolle Großfamiliengerichte zu zaubern. Ja, und diese Bananendiskussion hat mich heute – das Regenwetter schenkte den notwendigen Rahmen dazu – ein bisschen recherchieren und auch tatsächlich fündig werden lassen. Zum Thema ‚Nachhaltigkeit im Nahrungsmittelkonsum’ sagen in Zeitungsartikeln, Fernsehdiskussionen und Büchern ja viele vieles, doch zwei Kurzinterviews von Cornelia Diesenreiter (in Wien am Schwendermarkt) und Mike Berners-Lee haben mich hellhörig werden lassen. Da werde ich mich wohl in den kommenden Tagen mal reinlesen, um vielleicht wirklich endlich schlüssige Infos zu bekommen, ob nun die nach Europa geschipperte Banane im Frühsommer besser ist als zehn Monate lang gelagerte Äpfel aus Österreich – oder eben nicht. Wir saßen wirklich lange mit unseren zwei Teenies um den Tisch und haben gesprochen und gelistet und theoretisiert, doch eigentlich kamen wir nur zu dem Schluss: Leicht ist es nicht, konsequent darauf zu achten, dass man durch seinen eigenen Konsum einen kleinstmöglichen ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Leicht ist es nicht, doch nur wer im Kleinen anfängt, kann die Kreise Stück für Stück größer ziehen, kann umfangreicher seinen Speisezettel regional und saisonal gestalten und wird auch sattelfester und gewandter sowohl in Wissen als auch in Durchführungsmöglichkeiten. Eines hat mich allerdings, auch schon vor Lektüre des Buches ‚Wie schlimm sind Bananen?’ recht zuversichtlich gestimmt: Die Liste zu unserem Einkaufskorb fürs Wochenende liest sich meistens schon sehr regional bäuerlich, ganz viel kommt aus dem Umkreis von zwanzig Kilometern und schmeckt dementsprechend natürlich, frisch und vorzüglich! Wir bemühen uns. Die Größe des zu entsorgenden Plastiksammelsacks jedes Monat ist immer noch erschreckend, doch wir bleiben dran. Und ich denke auch, dass unsere Tochter – die Bananen liebt, in jeglicher Konsistenz, Kombination und Rezeptidee – weiterhin ihre gelbe Liebe mit ruhigem Gewissen genießen kann und soll. Die Summe macht’s, der Mix macht’s, und diesbezüglich sind wir ganz gut unterwegs. Mitunter auch, weil wir kaum unterwegs sind. Weder per Auto, noch per Flugzeug. Sehr ortstreu.

Dafür ab und zu eine Banane.

 

 

Eva Adelbrecht

Team von Buchhandlung und Verlag Pfeifenberger

Lektorin & Autorin

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