Die Idee

"Bücher bauen Brücken" – Qualitätsvolle zeitgenössische Literatur trifft interessiertes Publikum. Das Team rund um Eva Adelbrecht und Wolfgang Pfeifenberger will schöngeistige Literatur aus den Buchseiten heben, will die Stimmen der AutorInnen hören, will das geschriebene Wort lebendig werden lassen – in unserer Region, für Leserinnen und Zuhörer. Will über Geschichten Begegnungen schaffen, Gelesenes ins Gespräch bringen und das Zusammentreffen mit Autorinnen und Autoren spannend und vielfältig gestalten.

"Bücher bauen Brücken" nimmt sich schlussendlich zum Ziel, Lesungen als fixe Kulturveranstaltung zu etablieren! Dank der zweijährigen LEADER-Förderung wird es uns sicherlich wunderbar gelingen, dass Literatur unter der Lungauer Bevölkerung ganz neu wahrgenommen wird.

Das Team

Wer ist mit dabei? Die Buchhändlerinnen Roswitha Jeßner und Elisabeth Mandl sind – gemeinsam mit Wolfgang Pfeifenberger und Eva Adelbrecht – stets auf literarischer Entdeckungsreise und bringen uns Namen wie Titel, die wir zu einem interessanten Programm vereinen. Die Leiterin der Öffentlichen Bibliothek Tamsweg Petra Pennauer unterstützt uns mit vorbereitenden Informationsabenden inklusive Gesprächsrunden zu den einzelnen Lesungen. Sie wird Werke zur Diskussion bringen, bevor Autorin und Autor uns schließlich persönlich beehren.

Das Programm

"Bücher bauen Brücken" eröffnet seine Lesungsreihe im Mai mit Nava Ebrahimi, setzt im Juni fort mit Radek Knapp, um im Herbst Christoph Ransmayr (September) und Ferdinand Schmalz (Oktober) in Tamsweg zu begrüßen. Eine Lesung durch Schauspielerin Petra Morzé eines Texts von Carolin Emcke rundet das Programm im November ab.

Die Termine

Foto-Rückblick: Nava Ebrahimi

30. Juni
19.30 Uhr
Radek Knapp
Von Zeitlupen-
symphonien und Marzipan-
tragödien
Vorbereitungsabend
in der Bibliothek Tamsweg:
23. Juni, 19.30 Uhr

Österreich produziert nicht nur die humorvollsten Skifahrer, sondern auch eine Skurrilität namens Mozartkugel. Seine Hauptstadt besitzt den einzigen Friedhof, wo es niemals regnet, und wird trotzdem regelmäßig zu den lebenswertesten Orten der Welt gewählt. Der furchtlose Neuankömmling Radek Knapp stellt sich dem aussichtslosen Kampf, den Wiener Dialekt zu verstehen, und ergründet genauso die Tücken hiesiger Paragrafen wie den Zuckergehalt eines »Mohren im Hemd«. Am Ende findet er Antworten auf fast alles, um uns mit der Frage zu entlassen: Ist der Ort, an dem wir leben, auch der Ort, wo wir für immer bleiben möchten?

Radek Knapps ›Notizen‹ in »Von Zeitlupensymphonien und Marzipan­tragödien« sind der bisher gründlichste Versuch, Österreich mit den Augen eines Fremdlings zu sehen.

Radek Knapp, geboren in Warschau, ist freier Schriftsteller. Seine literarischen Bestseller erscheinen in zahlreichen Auflagen und Sprachen, darunter der Publikumserfolg »Herrn Kukas Empfehlungen«, »Franio«, »Reise nach Kalino«, »Der Mann, der Luft zum Frühstück aß« oder »Gebrauchsanweisung für Polen«. Ausgezeichnet mit dem »aspekte«-Literaturpreis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis. Der Autor lebt in Wien.

Von Radek Knapp sind folgende Titel bei uns erhältlich:

Radek Knapp, Von Zeitlupensymphonien und Marzipantragödien
Radek Knapp, Der Gipfeldieb
Radek Knapp, Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

Foto-Rückblick: Radek Knapp

22. September
19.30 Uhr
Christoph Ransmayr
Der
Fallmeister
Vorbereitungsabend
in der Bibliothek Tamsweg:
15. September, 19.30 Uhr

»Fallmeister« ist ein Jahrhunderte alter Ehrentitel für die Schleusenwärter am Weißen Fluss. Doch seit die Salzbergwerke im Toten Gebirge stillgelegt wurden, lenkt der hiesige Fallmeister nicht mehr mit Salz gefüllte Zillen, sondern Touristen in den Booten über die Kanäle. Als er am Festtag des Heiligen Nepomuk die Schleusen falsch bedient, stürzt das voll besetzte Boot den Großen Fall hinab, fünf Menschen ertrinken. War es ein Unfall, oder hat der Fallmeister vorsätzlich gehandelt? Sein Sohn wird versuchen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren und lebt nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder in Wien. Neben seinen Romanen „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“, „Die letzte Welt“, „Morbus Kitahara“, „Der fliegende Berg“, „Cox oder der Lauf der Zeit“, „Der Fallmeister. Eine kurze Geschichte vom Töten“ und dem „Atlas eines ängstlichen Mannes“ erscheinen Spielformen des Erzählens, darunter „Damen & Herren unter Wasser“, „Geständnisse eines Touristen“, „Der Wolfsjäger“ und „Arznei gegen die Sterblichkeit“. Zum Werk Christoph Ransmayrs erschien der Band „Bericht am Feuer“. Für seine Bücher, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter anderem die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka und Bert Brecht benannten Literaturpreise, den Kleist-Preis, den Premio Mondello und, gemeinsam mit Salman Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union, den Prix du meilleur livre étranger und den Prix Jean Monnet de Littérature Européenne.

Von Christoph Ransmayr sind folgende Titel bei uns erhältlich:

Christoph Ransmayr, Der Fallmeister
Christoph Ransmayr, Atlas eines ängstlichen Mannes
Christoph Ransmayr, Cox oder Der Lauf der Zeit
Christoph Ransmayr, Der fliegende Berg
Christoph Ransmayr, Der Weg nach Surabaya
Christoph Ransmayr, Die letzte Welt
Christoph Ransmayr, Die Schrecken des Eises und der Finsternis

Foto-Rückblick: Christoph Ransmayr

20. Oktober
19.30 Uhr
Ferdinand Schmalz
Mein Lieblingstier
heißt Winter
Vorbereitungsabend
in der Bibliothek Tamsweg:
13. Oktober, 19.30 Uhr

Der Wiener Tiefkühlkostvertreter Franz Schlicht soll einem makabren Wunsch nachkommen. Sein Kunde Doktor Schauer ist fest entschlossen, sich zum Sterben in eine Tiefkühltruhe zu legen. Er beauftragt Franz Schlicht, den gefrorenen Körper auf eine Lichtung zu verfrachten. Zum vereinbarten Zeitpunkt ist die Tiefkühltruhe jedoch leer, und Schlicht begibt sich auf eine höchst ungewöhnliche Suche nach der gefrorenen Leiche. Dabei begegnet er der Tatortreinigerin Schimmelteufel, einem Ingenieur, der sich selbst eingemauert hat, und einem Ministerialrat, der Nazi-Weihnachtsschmuck sammelt. Ferdinand Schmalz nimmt uns in »Mein Lieblingstier heißt Winter« mit auf eine abgründige Tour quer durch die österreichische Gesellschaft, skurril, intelligent und mit großem Sprachwitz.

Ferdinand Schmalz, geboren 1985 in Graz, aufgewachsen in Admont in der Obersteiermark, erhielt gleich mit seinem ersten Theaterstück »am beispiel der butter« 2013 den Retzhofer Dramapreis und wurde zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. Sein Stück »jedermann (stirbt)« wurde am Burgtheater uraufgeführt und mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet. 2017 nahm er an den Tagen der deutschsprachigen Literatur teil und gewann mit einem Auszug aus »Mein Lieblingstier heißt Winter« den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2021 erschien sein gleichnamiger Debütroman, der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises sowie auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises 2021 stand. Ferdinand Schmalz lebt in Wien.

Foto-Rückblick: Ferdinand Schmalz

Von Ferdinand Schmalz sind folgende Titel bei uns erhältlich:

Ferdinand Schmalz, Mein Lieblingstier heißt Winter
Ferdinand Schmalz, Leibstücke
10. November
19.30 Uhr
Petra Morzé/
Carolin Emcke
Ja heißt ja und …
Vorbereitungsabend
in der Bibliothek Tamsweg:
3. November, 19.30 Uhr

Im Oktober 2017 begannen – nach Jahren und Jahrzehnten des Schweigens   – zahlreiche Frauen erstmals öffentlich über sexuelle Belästigung, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung durch den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein zu erzählen. Doch Weinstein war und ist kein Einzelfall: Millionen von Einträgen wurden seit 2017 unter »#metoo« verzeichnet, weltweit wurde eine breite gesellschaftliche Debatte angestoßen. »Ja heißt ja und …« ist ein Ringen um präzise Beschreibungen in der Debatte über prekäre Geschlechterverhältnisse, über Lust und Macht, über Erfahrungen und Prägungen, über falsche Rollenbilder und über Bademäntel und die angeblich eigene Schuld.

Carolin Emcke, geboren 1967, studierte Philosophie in London, Frankfurt/Main und Harvard. Sie promovierte über den Begriff „kollektive Identitäten“. Von 1998 bis 2013 bereiste Carolin Emcke weltweit Krisenregionen und berichtete darüber. 2003/2004 war sie als Visiting Lecturer für Politische Theorie an der Yale University. Sie ist freie Publizistin und engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten und Interventionen, u. a. mit den Thementagen "Krieg erzählen" am Haus der Kulturen der Welt. Seit über zehn Jahren organisiert und moderiert Carolin Emcke die monatliche Diskussionsreihe „Streitraum“ an der Schaubühne Berlin.

Bei S. Fischer erschienen: „Von den Kriegen. Briefe an Freunde“, „Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF“, „Wie wir begehren“, „Weil es sagbar ist: Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit“, „Gegen den Hass“ und „Ja heißt ja und ...“ – Ein Monolog.

Petra Morzé, geboren in Klagenfurt. Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Engagements führten sie u. a. an das Wiener Burgtheater, wo sie viele Jahre lang Ensemblemitglied war, an das Theater in der Josefstadt Wien, das Volkstheater, zu den Salzburger Festspielen, den Festspielen Reichenau. Zahlreiche Auftritte in Film, Funk und Fernsehen u. a. bei Götz Spielmann (Antares), Philip Stölzle (Nordwand), C. Kablitz-Post (Lou-Andreas Salome), in Kommissar Rex oder Polly Adler. Zusammenarbeiten auf der Bühne ergaben sich mit Jürgen Flimm, Otto Schenk, Dieter Giesing, Luc Bondy, Robert Borgmann, Herbert Fritsch, Peter Wittenberg, Franz Xaver Mayer und vielen meh.

Von Carolin Emcke sind folgende Titel bei uns erhältlich:

Carolin Emcke, Ja heißt ja und ...
Carolin Emcke, Gegen den Hass

Foto-Rückblick: Carolin Emcke/Petra Morzé

Die Location

Jede Veranstaltung braucht einen gebührenden Rahmen: Im Schloss Kuenburg trifft alles aufeinander: das geschriebene Wort, die lesende Autorenstimme, das gespannte Publikum und der stimmungsvolle Saal. Dass wir die ausgewählten AutorInnen und unser Publikum in so einem wunderschönen und altehrwürdigen Veranstaltungsraum im Schloss Kuenburg begrüßen dürfen, verdanken wir der Marktgemeinde Tamsweg und Bürgermeister Georg Gappmayer. Neben den Räumlichkeiten freuen wir uns auch über organisatorische und technische Unterstützung seitens des Gemeindeteams.

Bücher werden Brücken bauen, zwischen Jung und Alt, zwischen Leserin und Autor, zwischen Theater und Text, zwischen Still und Laut. Und die BrückenbauerInnen wollen einmal mehr: die Freude am Lesen wecken.

Die Kooperation

"Bücher bauen Brücken" veranstaltet Lesungen, will aber auch Brücken in die Welt der Bibliotheken und in jene des Theaters schlagen:

Mit Petra Pennauer und der Öffentlichen Bibliothek Tamsweg haben wir eine kompetente Partnerin vor Ort gefunden, um das lesebegeisterte Publikum direkt anzusprechen, um Ideen für Lesungen zu sammeln und um diese in einem literarischen Ambiente mittels Informationsabenden inklusive Gesprächsrunden vorzubereiten. Wir freuen uns sehr, an diesen Abenden (stets eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung) als Vorbereitung auf die Lesung gemeinsam mit unseren literaturbegeisterten Leserinnen und Lesern in die Welt der Autoren einzutauchen.

Hierbei werden wir uns nicht nur dem Werk selbst widmen, sondern auch seinen geopolitischen und soziokulturellen Aspekten. Außerdem wollen wir uns mit dem Leben und der Persönlichkeit der AutorInnen beschäftigen.

Hans Mrak als Schauspieldirektor des Stadttheaters Klagenfurt lebt und arbeitet in der Welt des Theaters. Er baut die Brücke zu den Schauspielerinnen und Schauspielern, die im Schloss Kuenburg für uns literarische Texte vortragen werden. Warum Menschen der Bühnenwelt lesen lassen? Der Text ist das eine, der Vortrag das andere: Über die geschulte Stimme einer Schauspielerin, über studierte Mimik und Gestik eines Schauspielers kann ein Text noch einmal ganz anders dem Publikum nähergebracht werden. Dieses Experiment möchten wir wagen, diesen neuen Weg möchten wir gemeinsam mit unserem Publikum beschreiten.